Ein Streitgespräch zur Zukunft der Arbeit

VDMA

Weiterbildung und Arbeitszeit – Wie wird beides in Zeiten der Digitalisierung organisiert? Das stand im Mittelpunkt des Streitgesprächs zwischen Gewerkschaften und Unternehmen auf dem 10. Deutschen Maschinenbau-Gipfel.

Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der Vorbereitung der Arbeitswelt 4.0 trennt, wurde vor allem beim Thema „Qualifizierung“ deutlich. Während IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb auf eine starke Mitsprache der Betriebsräte pochte, machten die Unternehmervertreter deutlich, dass sie die Entscheidungshoheit möglichst weitgehend in den Betrieben belassen wollen. Anna-Katharina Wittenstein, Vorstandssprecherin der Wittenstein SE, sagte: „Betriebliche Qualifizierung muss in der betrieblichen Verantwortung bleiben.“ Sie wolle deshalb selber bestimme, wer in Weiterbildungsprozesse eingebunden werde. Als familiengeführter Mittelständler sei die Wittenstein SE „so oder so“ an einem guten Einvernehmen mit den Beschäftigten interessiert. Bei der zweiten Unternehmensvertreterin, Nora Rühmann vom Düsseldorfer Start-up SMS digital GmbH, stellte sich die Frage schon deshalb nicht, weil es in dem Jungunternehmen gar keinen Betriebsrat gibt. „Wir erarbeiten im engen Gespräch mit dem einzelnen Beschäftigten unsere Weiterbildungsmaßnamen. Wir fragen ihn, wohin er sich entwickeln will, und sehen dann, ob das zu unseren Bedürfnissen passt.“

Nora Rühmann machte auch keinen Hehl daraus, dass viele Beschäftigte bei bestimmten Projekten über die reguläre Arbeitszeit hinaus zuhause weiterarbeiteten. „Wenn aber jemand im Urlaub ist er im Urlaub. Da schaltet er das Handy aus.“ Anna-Katharina Wittenstein hielt dagegen für wichtig, dass ihre Mitarbeiter einen geregelten Feierabend haben. „Da nehme ich mich selbst zum Maßstab. Ich will auch noch abends Zeit für meine Kinder und ein gemeinsames Abendessen haben.“ Sie würde sich allerdings wünschen, wenn in puncto Arbeitszeit der gegenwärtige gesetzliche Rahmen erweitert werden könnte, der dann von den Betrieben ausgefüllt wird. „Das kann dann mal mehr, mal weniger Arbeit bedeuten.“ Im Gegensatz dazu machte Lemb klar, dass die Gewerkschaften am derzeitigen Arbeitszeitgesetz festhalten wollen. Insbesondere an der elf-Stunden-Ruhezeitregelung wollte er nicht rütteln. Als gelungenes Beispiel für Flexibilität stellte der IG-Metaller hin, dass aktuelle Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie Beschäftigten das Recht eingeräumt, ihre Wochenarbeitszeit unter bestimmten Bedingungen auf 28 Stunden pro Woche zu verkürzen.

„Betriebliche Qualifizierung muss in der betrieblichen Verantwortung bleiben.“