China spaltet die Gemüter

VDMA

China ist einer der Top-Märkte für den deutschen Maschinenbau – aber es ist kein offener Markt. Die Spielregeln in der Volksrepublik sind staatlich gelenkt, und das sorgt für kontroverse Diskussionen, wie die europäische Industrie und auch die Politik mit China umgehen sollte.

Der Europa-Abgeordnete der Grünen, Reinhard Bütikofer, gehört zu den Mahnern: „Wir sollten nicht zulassen, dass China die Strategie durchzieht, ausländische Konkurrenz vom heimischen High-Tech-Markt auszuschließen“, sagte er im Gipfelgespräch „Herausforderung China – Neue Strategien für Neue Chancen“. Ein „Level-Playing-Field“ biete das Land der europäischen Industrie nicht, darin waren sich alle Teilnehmer des Gesprächs einig. Dennoch zeigten sich die beiden Unternehmer Dr. Frank Stieler (Vorsitzender der Geschäftsführung KraussMaffei) und Karl Haeusgen (Vorstandssprecher HAWE Hydraulik SE und VDMA-Vizepräsident) zuversichtlich. „Chinesen sind viel stärker bereit, Vorwärtsentwicklungen zu fördern, als etwa Private Equity-Investoren. Chinesische Investoren sehen Synergien für den chinesischen Markt, die ein westlicher Eigentümer nicht sehen kann. Wir sollten eine offene, nicht durch Vorurteile getrübte Sicht der Dinge bewahren“, sagte Stieler. „In der Strategie Made in China 2025 stehen viele Bereiche nicht drin, die dem Maschinenbau unverändert große Marktchancen bieten. Wer mit den dortigen Regeln nicht mitspielen will, muss den Mut haben, auch mal den Stecker zu ziehen. Auf der betriebswirtschaftlichen Ebene sind die Chancen auf dem chinesischen Markt jedoch enorm und Investitionen mit chinesischem Geld in Europa sind ebenfalls positiv“, ergänzte Haeusgen.

„Die EU steht vor der Herausforderung, eine gemeinsame China-Agenda zu entwickeln. Ich bin Optimist, dass dies gelingen wird.“

Einig war sich die Runde in einer sehr intensiven Diskussion, dass Verhandlungen zwischen der EU und China vorankommen müssen, um mehr Fairness im Wettbewerb zu bekommen. „Faktisch sind alle großen chinesischen Unternehmen in den staatlichen Plan Made in China 2025 eingebunden. So läuft „Privatwirtschaft in Anführungszeichen“ in China“, bemängelte Bütikofer. Und: „China bewegt sich in den Verhandlungen um ein Investitionsabkommen nur um Millimeter. Wie lange wollen wir blauäugig bleiben?“, gab er zu bedenken.  „Die Chinesen machen eine sehr intelligente langfristige Politik der Einflusssphären. Das sollten die Europäer auch tun“, forderte Haeusgen. Dazu würde ein Investitionsabkommen mit China gehören, aber auch ein Handelsabkommen mit den USA. „Die EU steht vor der Herausforderung, eine gemeinsame China-Agenda zu entwickeln. Ich bin Optimist, dass dies gelingen wird“, sagte Haeusgen.

Ein Vorurteil wollten die beiden Unternehmer allerdings nicht gelten lassen: dass chinesische Unternehmen Mondpreise bezahlen (können), um Technologiefirmen etwa in Deutschland zu kaufen. „Auch die Chinesen müssen rechnen und zahlen keine überhöhte Preise“, betonte Stieler. Ganz klar sprach sich VDMA-Präsident Carl Martin Welcker deshalb gegen einen von der EU geplanten Investitionsschutz aus, der tief in die Eigentumsinteressen der Unternehmer eingreifen würde. Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer forderte umgekehrt, dass die Wirtschaft nicht nur ihre betrieblichen Mikrointeressen verfolgen dürfe, sondern die Politik auch dabei unterstützen müsse,  Makrointeressen zu verfolgen.